Weinlexikon: Markenwein
Im Dschungel von unterschiedlichsten Qualitätsstufen, Rebsorten, Geschmacksrichtungen, Anbaugebieten und Erzeugern bieten Markenweine gerade dem Einsteiger ein willkommenes Refugium der Kontinuität und Berechenbarkeit. Nach jahrelanger Marktanalyse entstehen Designerweine, die einem möglichst breiten Geschmack entsprechen sollen. Für den Qualitätswein wichtige Größen wie Terroir, Rebsorte und Ausbaumethode spielen bei den meist mit Phantasienamen versehenen Markenweinen, wenn überhaupt, dann eine höchst untergeordnete Rolle. Naturbedingte Jahrgangsdifferenzen werden zugunsten eines Wiedererkennungswertes der Marke nivelliert.
Mit Markenweinen ist’s wie mit einer Predigt: Wenn sie alle erreichen soll, erreicht sie letztlich keinen! Auf dem Altar des Kommerzes wird im wahrsten Sinne die Natur des Weines geopfert. Im weiteren Sinne können auch Champagner, Sherry und Port als Markenwein bezeichnet werden, doch typische Vertreter sind die deutsche Liebfrauenmilch und Mouton-Cadet aus Bordeaux, bei welchem mit dem wohlklingenden Namen Mouton ein wenig Bauernfängerei betrieben wird.

