Historie
1964
Im (West-)Berliner Stadteil Neukölln ziehen die ersten Mieter in die futuristische "Gropusstadt"; das Finanzministerium der DDR führt den Zwangsumtausch für DDR-Besuche in Höhe von 5 DM ein; Hertha BSC beendet die erste Saison der neu eingeführten Fußball-Bundesliga auf Platz 14 in diesem Jahr (in Deutschland ein sehr guter Weinjahrgang!) brachten Edeltraud und Dietmar Schmidt zwei gar unterschiedliche Kinder zur Welt: ihren Sohn Carsten, heute Junior-Chef des Unternehmens und eben den "Weinladen". Das Geschäft in der Neuköllner Sonnenallee gehörte zuvor zur "Likör- und Spirituosenfabrik Kutzner" und erfreute sich schon damals großer Beliebtheit.
In den ersten Jahren arbeiteten ausschließlich Edeltraud und Dietmar Schmidt im Geschäft. Lediglich für 3 Wochen im Sommer suchten sich die beiden eine Aushilfskraft, um den Jahresurlaub für Weinreisen nach Deutschland, Frankreich und Italien zu nutzen und Neues kennen zu lernen. Nicht selten waren es Empfehlungen der Kunden, die sich später im Sortiment wiederfanden. Neugier und Offenheit gehören für den "Weinladen" auch heute noch zu den Kardinalstugenden eines leidenschaftlichen Weinhändlers!
1971
Der 10. Jahrestag des Mauerbaus wird im Westteil mit Kranzniederlegungen, im Ostteil mit einer Kampfgruppenparade begangen; Hertha BSC ist in den Bundesliga-Bestechungsskandal verwickelt. Es war wohl im Jahr 1971, als die Schmidts beschlossen, "nach eigenem Geschmack" einzukaufen und ganz auf trockene Weine zu setzen. Nicht ungefährlich in einer Zeit, da "Pieroth" als "Guru der lieblichen Weine" das Zepter schwang und der Oppenheimer Krötenbrunnen unaufhörlich sprudelte.
Doch der eigene Geschmack schien ein guter und zukunftsträchtiger gewesen zu sein. Die "Sonne", wie das Geschäft in der Neuköllner Sonnenallee kurz genannt wird, strahlte immer heller. Eine Halbtagskraft wurde eingestellt. Expansionspläne reiften. So kam es...
1981
zur Eröffnung einer zweiten Filiale in der Lichterfelder Ringstraße. Dass auch das zweite Standbein auf erfolgreichem Boden stand, war der Verdienst von Edeltraud Schmidt, die den Laden nahezu alleine schmiss. In diesem Jahre, 1981, leistete sich Berlin mit Dietrich Stobbe, Hans Jochen Vogel (beide SPD) und Richard von Weizsäcker (CDU) gleich drei "Regierende"; am ersten Berliner City-Marathon (vom Reichstag um Ku'damm) beteiligten sich 3109 Läufer; die DDR feierte Unter den Linden mit großem militärischen Zeremoniell "20 Jahre Antiimperialistischer Schutzwall".
1983
Hertha BSC ist mal wieder abgestiegen; Udo Lindenberg fährt mit einem "Sonderzug nach Pankow", tritt im "Palast der Republik" auf und möchte "dem alten Rocker Honi" eine Lederjacke überreichen. In diesem Jahr wird er "Weinladen Wittenau" in der Oranienburger Straße eröffnet.
1984
Eberhard Diepgen (CDU) wird neuer "Regierender"; die West-Berliner S-Bahn, bis dato unter DDR-Verwaltung, wird von den West-Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) übernommen. Carsten Schmidt schließt erfolgreich seine Ausbildung als Industriekaufmann ab und avanciert zum Junior-Chef des Unternehmens, welches in die "Weinladen Schmidt GmbH" umgewandelt wurde. Stundenweise wird ein Fahrer eingestellt.
1989
Ein gewisser Herr Schabowski löst mit einer viel beachteten Pressekonferenz ein zumutbares Verkehrschaos aus; Berlin wir eine andere Stadt - eine Stadt! In diesem Jahr des Wandels erschließt sich dem "Weinladen" ein neuer Kundenkreis, der im Schmidt'schen Sortiment eine willkommene Bereicherung zu den altbewährten "Rosenthaler Kadarka" und "Bärenblut" sieht.
1992
Marlene Dietrich wird in ihrer Heimatstadt Berlin auf dem Friedhof in Friedenau beigesetzt; die 14-jährige Franziska van Almsick gewinnt in Barcelona zwei olympische Silbermedaillen. Es erfolgt der Umzug des Lagers und der Verwaltung von der "Sonne" in die Kreuzberger Katzbachstraße. Mit ihren 1000 m2; Fläche (vorher: 250 m2;) bieten die alten, mehretagigen Kellerräume nicht nur völlig neue Möglichkeiten, sie sind zugleich symptomatisch: Es geht weiter aufwärts!
Im gleichen Jahr wird Hartmut Gerlach, zuständig für Einkauf und Disposition, einestellt. Seine ersten Arbeitstage fielen in den November - Primeurzeit! Der Beaujolais gehört bis zum heutigen Tag nicht zu seinen Lieblingsweinen...
1994
Aus dem guten, alten "RIAS" wird das "Deutschlandradio"; der Kaufhaus-Erpresser "Dagobert" wird festgenommen; der "Marx-Engels-Platz" in Mitte heißt wieder "Schlossplatz". In der Katzbachstraße gibt es von nun an nicht nur Lager und Verwaltung, sondern auch einen richtigen "Weinladen".
1995
Christo verhüllt den Reichstag; erstmals seit vielen Jahrzehnten fährt die U-Bahn wieder über die Oberbaumbrücke und verbindet damit die Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain; der Dramatiker Heiner Müller stirbt kurz vor Vollendung seines 67. Geburtstages. Mit Jürgen Lund und Mario Konzag kamen Mitarbeiter für den Außendienst hinzu, die den Großhandel mit der Gastronomie und Hotellerie in Berlin und Brandenburg wesentlich intensivierten. In diesem Jahr zog der "Weinladen" in Lichterfelde von der Ringstraße in die Curtiusstraße.
1997
Einweihung des Luxushotels Adlon am Pariser Platz; Sven Ottke gibt in der Max-Schmeling-Halle sein Debüt als Profiboxer. Der "Weinladen" wandert über die Stadtgrenzen und eröffnet eine Filiale in Stralsund.
1998
Am Lehrter Bahnhof feiert man die Grundsteinlegung des künftigen Hauptbahnhofs; Harald Juhnke feiert an dem Ort, an dem er vor 50 Jahren seine Schauspielkarriere begann: im "Maxim-Gorki-Theater", das damals noch "Haus der Kultur der Sowjetunion" hieß. 1998 fanden für die Schmidts gleich zwei sehr erfolgreiche Ernten statt: eine am Kreuzberg, wo der "Weinladen" mit der "VinTage 1998" seine erste Hausmesse durchführte und eine an der Mittelmosel, wo die Schmidts ihren ersten eigenen Wein (natürlich Riesling!) kelterten. In diesem Jahr wurde der "Weinladen" zugleich Deutschlands erster Abassador des kalifornischen Weinpioniers Robert Mondavi.



