Deutschland

Deutschland in bester Lage
Die deutschen Weinbaugebiete gehören weltweit zu den schönsten und sind aufgrund der nördlichen Lage ein klimatischer Grenzfall für den Qualitätsweinbau. Das Ausreifen der Trauben ist hier weniger selbstverständlich als im mediterranen Bereich. Und doch sind es gerade die langen Vegetations- bzw. Reifephasen, die kühlen Nächte, die den deutschen Weinen eine Identität mit der unvergleichlichen Balance aus Frucht, Struktur und Säure verleihen. Keiner anderen Rebsorte sind diese natürlichen Bedingungen derart auf die Traubenhaut geschrieben, wie dem König der Weißweine, dem Riesling. So befinden sich rund 60% des weltweiten Vorkommens dieses „Bodenschatzes“ in Deutschland. Vor einhundert Jahren waren Rieslinge von Rhein und Mosel die mit Abstand teuersten und angesehensten Weine der Welt. Nach dem zweiten Weltkrieg aber folgte eine jahrzehntewährende, liebfrauenmilchgetränkte Krisenzeit.
„Man muss kein Prophet sein, um im eigenen Lande nichts zu gelten!“: Vor 30 Jahren musste der Sommelier schon ein strammer Patriot gewesen sein oder enger Freund eines Winzers, wenn er Gewächse aus deutschen Landen auf die Weinkarte setzte. Heute darf getrost an der Fachkompetenz gezweifelt werden, wenn man meint, auf deutsche Weine verzichten zu können. Das Qualitätsstreben der deutschen Winzer heute, vor allem der jungen Generation, ist kaum mehr mit dem aus den 60er und 70er Jahren zu vergleichen.
„Green light for German reds“ schrieb “Master of Wine” Jancis Robinson im April 2007 auf ihrer Homepage und gehört zu denen, die nun auch den deutschen Rotweinen das Prädikat „Weltklasse“ zusprechen. Was der Riesling für die Weißweine ist der Spätburgunder für die Roten: die ausdrucksstärkste und facettenreichste Traube, die auf einzigartige Weise das jeweilige Terroir widerzuspiegeln vermag. Stichwort Terroir: Dieser Begriff fasst alle das Wachstum des Weinstocks und der Trauben beeinflussenden natürlichen Bedingungen zusammen, insbesondere Klima, Niederschläge, Bodentyp und Ausrichtung der Lage. Die im VDP zusammengeschlossenen Spitzenweingüter unseres Landes ergänzen das auf bloßen Öchslewerten basierende Prädikatsweinsystem mit der Einführung der „Ersten Gewächse“ bzw. der „Grossen Gewächse“. Dem einzelnen Weinberg als stilbildendem Zeugungsort eines wahren Qualitätsweines wird so die verdiente Beachtung geschenkt.


