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Neue Welt

 

 

Die Neue Welt: Missionarsfrüchte mit Migrationshintergrund

Südafrika, USA, Argentinien, Chile, Australien, Neuseeland – sie alle werden zur sogenannten „Neuen Welt“ gezählt. Doch was heißt schon „Neue Welt“? Der Begriff selbst geht zurück auf die von Europa ausgegangenen Entdeckungsreisen im 15. Jahrhundert. Nach langen Seefahrten lernten die alten Europäer Kulturen und Zivilisationen kennen, die sie gleichermaßen befremdeten und faszinierten. Die neue Welt war die ganz andere …

In der „Neuen Welt“ der Weine freilich gibt es schon deshalb viele Gemeinsamkeiten, weil die Weinrebe eine „Missionarsfrucht“ war, die ihr „europäisches Gedächtnis“ mitbrachte. Das önologische Rad musste nicht neu erfunden werden!

In den immerhin schon 400 Jahren Weinbautradition gab es gerade in der jüngsten Phase eine Annäherung in der Weinherstellung und im Weinstil. Die Europäer öffneten sich modernen Methoden (siehe Chip-Weine) nach dem Motto „Erlaubt ist, was schmeckt“; die Winzer der „Neuen Welt“ zeigen gerade nach den turbulenten 90er Jahren ein noch nie dagewesenes Traditions- und Qualitätsbewusstsein.

Gemeinsamkeiten gibt es ohnehin genug: Auch in der „Neuen Welt“ war der Weinbau zunächst religiös motiviert: die Kolonisatoren brauchten Wein für die Eucharistiefeiern. Doch wie auf dem alten Kontinent wurde auch hier dieser sakrale Anlass schon bald genüsslich umschifft und die „Anwendungsgebiete“ generös ausgeweitet.
Die Weine, die bei uns im „Neue-Welt-Regal“ liegen, bestehen allesamt aus Rebsorten mit „europäischem Migrationshintergrund“. Selbst der in Südafrika angebaute Pinotage ist eine (aus dem Jahr 1925 stammende) Kreuzung der beiden französischen Rebsorten Pinot Noir und Cinsaut.

Der Anteil sortenreiner Weine ist noch höher als in Europa. Seit einigen Jahren gibt es allerdings vor allem aus Südafrika einige Rotweincuvées, die es mit den großen europäischen Vorbildern aufnehmen können. Insgesamt kommen die Weine von heute feiner und strukturierter ins Glas, während ihre Vorgänger aus den 90ern oft überextrahiert wirkten und den Genießer wegen eines allzu forschen Barriqueeinsatzes schon mal in die „OBI-Holzabteilung“ entführten.

„Waren, die die Welt nicht braucht?“
Wir vom Weinladen sind ja vor allem von dem begeistert, was in unserer Nähe wächst und doch gibt es gute Gründe, sich gelegentlich auch mal einen Neue-Welt-Wein zu gönnen. Erst recht, wenn diese Gewächse – wie bei der Carmenère aus Chile oder dem Malbec aus Argentinien – ihre europäischen Verwandten des Öfteren charmant ausstechen.
Ob Sonnenintensität, Bodenstruktur oder der ausgeprägte Pragmatismus der Winzer, die Weine der Neuen Welt bringen neue Farbtupfer auf den Weinteppich. Abgesehen davon, dass es den Neue-Welt-Wein ebenso wenig gibt, wie den Europäischen, zeugt es von Unkenntnis und fehlendem Respekt, diese Weine pauschal als entbehrliche oder gar billige Kopie der europäischen zu betrachten!

Nicht alles ist neu, aber vieles ist anders. Eine Entdeckungsreise lohnt sich also allemal!