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Finca Ses Talaioles - Manacor

 

Mallorca, einst Sitz der Könige von Aragón, kann auf eine über zweitausendjährige Weinbaugeschichte zurückblicken. Nach den Phönikern, die den Wein auf die größte Balearen-Insel brachten, haben sich hier Griechen, Karthager, Römer, Araber und neuerdings auch Deutsche niedergelassen. (Von einem deutschen Keller-Meister soll später noch die Rede sein.) Im 19. Jh. war die Insel noch für ihre süßen Malvasia-Weine berühmt und profitierte zunächst von der Reblaus-Katastrophe in Frankreich, die die einheimischen Weine sprunghaft nachgefragter und teurer machte. Doch nur wenige Jahre später wurde der Schädling mit dem Künstlernamen Phylloxera vastarix (die „Verwüsterin“) auch auf Mallorca heimisch und raffte nahezu alles hinweg, was nach Rebstock aussah. Bis heute, so scheint es, hat sich der mallorquinische Weinbau nicht vollständig erholt. Die Einkünfte durch Oliven und Mandeln sind schließlich noch stabiler als beim Wein und dabei noch weit weniger aufwändig!

So brauchte ein Inselprojekt wie Ses Talaioles externe Geburtshelfer: Phantasie, Energie, eine Prise Verrücktheit und ein wenig mehr Liquidität. All das findet sich bei dieser Finca, deren Weine die Handschrift des jungen Sebastian Keller tragen. Ein „Wein-Keller“ ist Sebastian schon als Kind gewesen und wurde durch den Weinhandel seiner Eltern gleichsam mit der Flasche großgezogen. Seit Kindestagen gab es eine besonders enge Freundschaft mit dem Pfälzer Bernd Philippi. Im Laufe der Jahre entwickelten sich der Kallstadter Saumagen und Philippis Weingut von einem Spiel- zu einem Arbeitsplatz. Der Pfälzer Kultwinzer war für ihn der Türöffner in die faszinierende Welt des Weinbaus. Bei Paul Fürst in Franken, einer weiteren deutschen (Rot-)Weinikone machte Keller seine
Ausbildung. Während seiner Lehr- und Wanderjahre landete er – nicht ganz zufällig – beim südafrikanischen Weingut Mont du Toit und der Quinta da Carvalhosa im Dourotal. Beides Projekte von Bernd Philippi. „Von ihm und von Bernhard Breuer habe ich unglaublich viel lernen dürfen“, schaut Keller dankbar zurück. Als ihm nach einer weiteren Ausbildung zum Weinbautechniker in Weinsberg von Philippi die önologische Leitung von Ses Talaioles angeboten wurde, musste der Siegerländer nicht lange überlegen. Die mallorquinische Finca, das ist sein Projekt!

Der Name Ses Talaioles geht zurück auf „Talayot“, antike Steinsiedlungen, in denen die Insulaner Schutz suchten. Die in Sichtweite des Ost-Küstenortes Portocristo gelegene Finca ist kein reines Weingut. Die Hamburger Kaufmannsfamilie de Waal, die „Ses Talaioles“ im Jahre 2000 erwarb, wollte nicht nur die Finca stilgerecht renovieren, sondern zugleich ein traditionelles mallorquinisches Landgut wiederbeleben. So werden nicht nur – nach strengen ökologischen Richtlinien – Getreide, Feigen, Oliven und Mandeln angebaut, sondern es werden auch, in einem großen, mit uralten Steineichen bepflanzten Hain die berühmten Patas negra gezüchtet (das
sind die schwarzen Schweine, die als Serrano-Schinken enden). Da wo die anderen Kulturpflanzen in den Streik treten, schlägt die Stunde des Weines. Auf den kargsten, steinigen Kalkmergelböden, der mallorquinischen Sonne ausgesetzt, wurden 2002 die ersten Reben gepflanzt. Mit einheimischen und internationalen Sorten. Zwei Jahre später wurde der erste Jahrgang des „Sestal“ und seinem kleinen Bruder „Sestalino“ gekeltert. Aus Liebe zu den Trauben werden diese übrigens noch mit Füßen getreten. Dicht und reichhaltig sind sie, die Rotweine der Finca und bieten bei aller verschwenderischen Fruchtfülle noch Tiefgang und Rafinesse. Wenn der Spruch:
„Ein Rebstock muss leiden, um guten Wein zu liefern“ stimmt, müssten die mallorquinischen zu den besten Welt gehören.Im ersten Jahrhundert n. Chr. schwärmte Plinius der Ältere jedenfalls vom Wein der Insel und stellte sie auf eine Stufe mit den besten Gewächsen seiner italienischen Heimat. Geschichte wiederholt sich, irgendwann. Auf eines aber mag Sebastian Keller auch auf Malle nicht verzichten: „Im Herzen bin ich natürlich deutscher Winzer und liebe Riesling! Gerade hier im Sommer gibt es nichts Schöneres
als einen herrlich fruchtigen, mineralischen und charaktervollen Weißwein von zuhause! Gerne ein Mosel Kabinett oder Hölle Kabinett von Künstler bzw. der Saumagen zum trinken und essen!“ Den einen oder anderen Wunsch könnten wir ihm schon erfüllen…

 

 

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