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Descendientes de José Palacios

 

Álvaro Palacios (Jahrgang 1964) ist gleichsam in die Weinberge des Rioja hineingeboren. Das kleine Alfaro hätte den Titel „Welthauptstadt der Störche“ verdient. Mehrere hundert Storchenpaare brüten Jahr für Jahr rund um die barocke Stiftskirche San Miguel ihren Nachwuchs aus und bieten einen unvergesslichen Anblick. Das für diese Gegend so harmonische Miteinander von Kultur und Natur hat auch den jungen Álvaro beeindruckt. Palacios ist ein tiefreligiöser Mensch. „Die Weinberge befinden sich in der Nähe von Klöstern, Kapellen und Pilgerwegen. Die nach wie vor spürbare Spiritualität und die Mönchskultur prägen den Charakter der drei Weinkellereien“ sagt Álvaro, dessen Heimatverbundenheit ihn nicht hinderte, neben der heimatlichen Bodega im Rioja auch Projekte in Priorat und Bierzo anzugehen. Da ein fester Glauben auf dem Weg zu einem „Kultwinzer“ zwar hilfreich, aber womöglich nicht ausreichend ist, genoss Palacios eine exzellente Ausbildung, u. a. mit einem Önologiestudium in Bordeaux und Praktika bei Jean-Pierre Moueix (u. a. Château Petrus) und bei der Stag’s Leap Winery im Napa-Valley. Als „Pionier des Priorat“ nutzte Palacios die Gunst der Stunde und kaufte uralte, terrassierte Weinberge, als keiner etwas von dieser schroffen, rückständigen Region wissen wollte. Heute weiß man, Álvaro hat sich die Filetstückchen gesichert. Auf kargen, sonnenverwöhnten Böden stehen Rebstöcke mit Garnacha- und Samsó-Trauben, die mehr als doppelt so alt sind wie der Winzer selbst. Die Weine, die hier entstehen, gehören zu den großen Rotweinen der Welt! Auch für die „einfacheren“ werden nur 25 Hektoliter pro Hektar geerntet. Grundlage für Gewächse mit Tiefgang und Charakter. Gegen den Hype, der mittlerweile um Les Terrasses, den Dofí und insbesondere um die L’Ermita entstanden ist, wird sich Álvaro zwar nicht energisch wehren, doch als Motivationsquelle für den Winzer Palacios ist er komplett überflüssig. Im Weinberg selbst sucht und findet Álvaro seine Herausforderung. Wie im reichlich unbekannten Bierzo, wo er autochthonen Rebsorten wie der Mencia zu neuer Geltung verhalf. Es mag abgedroschen klingen, aber die Weine von Álvaro Palacios sind seriös und authentisch. Mit spielerischer Leichtigkeit vermag der spanische Perfektionist einen Bogen von der Tradition zur Moderne zu schlagen und keltert intensive und zugängliche Weine, die dennoch nicht auf dem Altar des Mainstreams geopfert werden. Wäre Álvaro ein Regisseur, würde er anspruchsvolle Autorenfilme drehen, welche die Kritiker begeistern und dennoch von einem breiten Publikum verstanden und geliebt werden.

 

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